Alfred Gelbmann (Hg.)
VERSCHLUSSLAUTE

Reihe: Intermediale Texte 1
März 2010
147 Seiten / 118x183
ISBN 978-3-9502277-7-2
Preis: EUR 19,80
bestellen

VERSCHLUSSLAUTE /
Alfred Gelbmann (Hg.)

Mit Beiträgen von Leopold Federmair, Waltraud Seidlhofer, Judith Pouget, Richard Wall, Adelheid Dahimène, Anna Weidenholzer, Bernhard Widder, Alfred Gelbmann.

Seit ihrer Erfindung ist die Fotografie, trotz der zögerlichen Anerkennung als künstlerisches Ausdrucksmittel, dennoch nie ein isoliertes Medium geblieben; immer war und ist sie auf der Suche nach Verbindungen mit anderen Medien, allen voran mit dem der Schriftlichkeit - oder anders betrachtet: Die Literatur hat mit dem Auftauchen der Fotografie alsbald ihre Nähe gesucht und gefunden. Neben der ästhetischen Synthese von Schriftbild und Bildschrift ist es jedoch vor allem der Erinnerungsgehalt und ihre unmittelbare Evidenz, die die Fotografie für das Schreiben, das ja bekanntermaßen einen konkreten Akt der Erinnerung darstellt, zu einem idealen Partnermedium macht. Das erklärt auch die vermehrte Verwendung der Fotografie in der sogenannten Erinnerungsliteratur der 90er Jahre. Die Motive und Funktionen von Fototexten reichen von der Beglaubigung des Geschriebenen durch die Fotografie über Irritationen, wenn die Fotografie als Bild-Intervention den Erwartungen der Textillustration nicht entspricht, bis hin zur Einbringung einer zweiten Erzählebene, die sich bisweilen aus der Präsenz von Fotografien mit einem hohen Erzählgehalt in einem Text entwickelt und dabei mit diesem zu einem neuen Erzählgebilde mutiert. Die Gesamtwirkung eines Fototextes hängt in jedem Fall ganz entschieden von der Positionierung, der Vernähung oder Trennung beider Medien, also von ihrer Gegenseitigkeit ab. Fototext – Gefüge verlangen daher - will man eine über den üblichen Illustrationswert von Fotogeschichten hinausgehende Wirkung erzielen - nach einer erweiterten Kompositionsform, die Text und Fotografie in eine beabsichtigte Beziehung bringt. Nicht das Nebeneinander oder das Miteinander der Medien Text und Fotografie sind es, die den Anspruch der Intermedialität nach meinem Dafürhalten erfüllen, es ist einzig das ästhetische und semantische Ineinander, das die erwartete Wirkung erzielen kann, wobei die materielle Präsenz der Fotografie nicht immer vonnöten ist.

 

Rezensionen:

[...] Die "Verschlusslaute" des kleinen Welser Verlags umfassen im vorliegenden Band eine Reihe von Texten am Scharnier zwischen Wort und Bild. Im Vorwort spricht der Herausgeber Alfred Gelbmann von einem "idealen Pratnermedium", denn sowohl das Foto als auch das Schreiben haben mit Erinnerung zu tun. Etliche Texte weisen autobiografische Züge auf, etwa jener von Bernhard Widder, der seinem Geburtsort zwischen Keferfeld und Bindermichl ein literarisch-fotografisches Denkmal setzt. Auch Gelbmann selbst hat einen Text beigetragen: "Mich begann die Ahnung zu bedrücken, dem mir zugewiesenen Platz in der mächtigen Dingwelt der Vereinigten Österreichischen Eisen- und Stahlwerke für längere Zeit nicht entkommen zu können." Die Texte ankern nicht nur in Linz: Leopold Federmair geht Fotos in Hiroshima nach, Richard Wall entdeckt literraisch-fotografisch ein Archipel an der Küste Irlands. Judith Pouget hat sich schreibend und fotografierend mit ihrem ihrem Atelieraufenthalt in Cesky Krumlov auseinandergesetzt. Waltraud Seidlhofer wendet die philosophische Methode der phänomenologischen Reduktion auf Text und Bild an. Fiktionale Texte kommen von Adelheid Dahimène, die lyrische Prosa mit fernsehsprech konfrontiert, und Anna Weidenholzer, die eine sehr dichte, sprachlich subtile Erzählung vorliegt. Das Buch ist der im Jänner verstorbenen ursprünglichen Mitherausgeberin Eugenie Kain gewidmet. Eine anspruchsvolle Sammlung, eine würdige Zueignung.

Dominika Meindl, Kulturbericht Oberösterreich, Mai 2010

 

Auf die Suche nach neuen Kompositionen aus Text und Fotografie begibt sich die Anthologie "Verschlusslaute" des Welser Herausgebers Alfred Gelbmann. Neben ihm versuchen sich Leopold Federmair, Waltraud Seidlhofer, Judith Pouget, Richard Wall, Adelheid Daheimène, Anna Weidenholzer und Bernhard Widder als Forscher nach Intermedialität. Die Zugänge sind unterschiedlich, aber allesamt interessant und durchaus anspruchsvoll: Lyrik, Prosa, Experimentelles. Die empfehlenswerte Anthologie ist der heuer verstorbenen Eugenie Kain gewidmet.

Oberösterreichische Nachrichten, 21.08.2010

 

Informationen zum Herausgeber:
Alfred Gelbmann

 

 

 

 

ausdrucken