Christian Teissl
DIE BLUMENUHR

Gedichte
April 2010
140 Seiten / 118x183
ISBN 978-3-9502277-9-6
Preis: EUR 19,80
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DIE BLUMENUHR /
Christian Teissl

Einem idyllischen Anklang, den „blühenden Linden“, folgt allemal ein freier Fall. Die Tages- und Jahreszeiten verdichten Lebenszeiten eines lyrischen Ich, das eine neue Art Fin-de-siècle-Müdigkeit kennt, zugleich in der Phantasie eine prompte Lebendigkeit erfährt. So sind die Menschen „Frage und Antwort zugleich“. Vom Schlafen und vom Wachen liest man, von Spiegelbildern und Gesichterwechsel, von Frauen in Schwebe über stachelgefährlicher Bodenhaftung, von Wolken und Schatten und Flüssen und Meeren und Inseln. Und fast mögen einen schon diese romantischen Bewegungen etwas leichtfüßig scheinen, da steckt einem alsbald ein Stachel in Wort und Sinn.
Klaus Zeyringer


Textprobe:

Während ich schlief
an einem sachte unter der Sonne
zitternden Nachmittag
lief meine Schrift
vom Zugriff meiner Hand befreit
mir davon
lief aus meinem Traum hinaus
in das Hügelgewoge
lief und lief
wurde Tau auf den Wiesen
wurde Flusswasser
Morgennebel und Wolkenschaum
und fiel als ich wieder erwachte
als Regen auf mich herab

 

Rezensionen:

Ein junger Autor, der lesbare Lyrik schreibt, könnte als anachronistisch empfunden werden. Einer, der über ein umfassendes Wissen aus allen Gebieten der Literatur verfügt, der weiß, was es schon alles gegeben hat, und DENNOCH Gedichte schreibt, erfüllt Liebhaber dieser Gattung mit Freude. (...) Die Bildmächtigkeit ist eines der wichtigsten Merkmale der Teisslschen Lyrik. Und er gebraucht Metaphern, die nie gesucht wirken. (...) Manchmal sind es Luftschlösser, manchmal Träume, dann wieder Häuserzeilen, die in der Ferne aufeinandertreffen, Brücken, die Flüsse überspannen, und Flüsse, die zum Meer unterwegs sind.

Ich mag dieses Buch! Ich nehme es mit auf Eisenbahnenfahrten, im Rucksack übersteht es Wanderungen, gibt einen guten Gefährten ab. Seltsamerweise ist es für mich kein Nachtkästchenbuch, sondern Lyrik, im Freien zu lesen.

Elfriede Bruckmeier, Literarisches Österreich, 01/2011

 

Und was hat Christian Teissl Besonderes für sich? Am ehesten wohl die Schrift. Denn dieser Lyriker (...) versteht sich etwa auf das barocke Sprachspiel des Akrostichon , dessen Pointe sich einzig und allein im Schriftbild zeigt: Liest man die ersten Buchstaben der Verszeilen von oben nach unten, ergibt sich ein Wort, dessen Bedeutung sozusagen wie ein Wasserzeichen durch das Gedicht schimmert. (...) Jedoch leben Teissls Gedichte nicht nur von solchen Schriftspielereien. Er ist kein Formalist, sondern ein Dichter, der sich zum Beispiel gerne dem Thema der unglücklichen Liebe zuwendet. Aber da er ein studierter Germanist und Philosoph ist, weiß Christian Teissl, dass der Liebeskummer nicht nur ein Lebensproblem ist, sondern auch ein Dichtungsthema erster Güte.

Hermann Schlösser, Wiener Zeitung, 12.06.2010

 

Informationen zum Autor:
Christian Teissl

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