Magazin

Im online Format Magazin wird unter möglichst breiter Beteiligung von österreichischen AutorInnen -  ungeachtet subjektiver Schreibhaltungen - das in der Anthologie Verschlusslaute begonnene Genre Foto/Text Gefüge in weiterführender und vertiefender Form fortgesetzt. Jährlich ist eine Buchpublikation der besten Beiträge geplant. Einsendungen bitte ausschließlich nur mit SW Fotografien in Printform an die Verlagsadresse richten. Nicht angenommene Beiträge können nicht rückgesendet werden.


Exposé (aus dem Vorwort des Bandes Verschlusslaute)

Die Fotografie unterscheidet sich von der übrigen Bilderwelt unter anderem durch ein wesentliches Merkmal: Sie verweist auf etwas, was einmal so und nicht anders gewesen ist. Allein aus diesem einen Wesensmerkmal ergibt sich für den Betrachter ein zweifacher Anspruch: Mit der Fotografie verfügt er über einen Ausschnitt von Wirklichkeit, und er betrachtet das Bildgeschehen als einen vergangen, eingefrorenen Moment von Raum und Zeit. Jede Fotografie wird somit auch gleichzeitig zum Objekt der Erinnerung.

 

Seit ihrer Erfindung ist die Fotografie, trotz der zögerlichen Anerkennung als künstlerisches Ausdrucksmittel, dennoch nie ein isoliertes Medium geblieben; immer war und ist sie auf der Suche nach Verbindungen mit anderen Medien, allen voran mit dem der Schriftlichkeit - oder anders betrachtet: Die Literatur hat mit dem Auftauchen der Fotografie sehr bald ihre Nähe gesucht und gefunden. Neben der ästhetischen Synthese von Schriftbild und Bildschrift ist es jedoch vor allem ihr Erinnerungsgehalt, ihre unmittelbare Evidenz, die die Fotografie für das Schreiben, das ja bekanntermaßen einen konkreten Akt der Erinnerung darstellt, zu einem idealen Partnermedium macht. Das erklärt auch die vermehrte Verwendung der Fotografie in der sogenannten Erinnerungsliteratur der 90er Jahre. Die Motive und Funktionen von Fototexten reichen von der Beglaubigung des Geschriebenen durch die Fotografie über Irritationen, wenn die Fotografie als "Bild-Intervention" den Erwartungen der Textillustration nicht entspricht, bis hin zur Einbringung einer zweiten Erzählebene, die sich bisweilen aus der Präsenz von Fotografien mit einem hohen Erzählgehalt in einem Text entwickelt und dabei mit diesem zu einem neuen Erzählgebilde mutiert. Die Gesamtwirkung eines Fototextes hängt in jedem Fall ganz entschieden von der Positionierung, der Vernähung oder Trennung beider Medien, also von ihrer Gegenseitigkeit ab. Fototext–Gefüge verlangen daher - will man eine über den üblichen Illustrationswert von Fotogeschichten hinausgehende Wirkung erzielen, nach einer erweiterten Kompositionsform, die Text und Fotografie in eine beabsichtigte Beziehung bringt. Nicht das Nebeneinander oder das Miteinander der Medien Text und Fotografie sind es, die den Anspruch der Intermedialität nach meinem Dafürhalten erfüllen, es ist einzig das ästhetische und semantische Ineinander, das die erwartete Wirkung erzielen kann, wobei die materielle Präsenz der Fotografie nicht immer vonnöten ist. 

 

Alfred Gelbmann

Jänner 2010

 

 

 

 
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