Waltraud Seidlhofer
STADTALPHABET

Gedichte mit Messerschnitten 
von Joseph Kühn
September 2010
56 Seiten / 118x183
ISBN 978-3-9502828-4-9
Preis: EUR 17,60
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STADTALPHABET / Waltraud Seidlhofer

Die Idee zu den Texten des stadtalphabets geht auf die Jahre 2003/2004 - aus dieser Zeit stammt auch der Großteil der Gedichte - zurück. Einige entstanden, noch unabhängig von der Sammlungsidee, schon früher; einige, schon auf den thematischen Rahmen bezogen, später.

 

Die Zusammenarbeit mit Joseph Kühn verdankt dieser Band einem jahrelangen freundschaftlichen Kontakt und einer gegenseitigen künstlerischen Wertschätzung.

Waltraud Seidlhofer 

 

Textprobe:

i

 

stadt : die stelle

definition eines begriffs,

sammlungsdichte,

seit jahrtausenden raum.

und die miniaturen der wege,

unter die erde gezogen, kanaele,

thermenstrassen,

der umriss von haeusern,

auf die ebene plaene skizziert.

mailand bologna,

die geregelten flüsse,

uferboeschungen, steine, beton.

auf den geometrischen rissen

kreisen tuerme, entsteht symmetrie,

raeder greifen

um ein zentrum, um gaerten,

kirchen schimmern: erinnerte stadt.


Rezensionen:

In unausgesetzter Bewegung finden sich die Texte Waltraud Seidlhofers: es ist die Bewegung des Geistes wie der Wörter und der Orte: also der Sprache!

Die Autorin stellt - wie in den bisherigen Arbeiten - die Elemente der Wirklichkeit neu und anders in Beziehung zueinander, so als wären die Gesetze der Schwerkraft aufgehoben. Die traditionellen Parameter Raum und Zeit existieren längst nicht mehr, vieldimensional taucht alles auf und unter oder springt in jener  großen Leere umher, die, wie mir scheint, Ausgangspunkt dieser Literatur ist. [...]

Filigran sind die beigestellten Messerschnitte von Joseph Kühn, zerbrechliche Architekturen, die aus wieder anderen Kontexten entnommen sind, formal jedoch die Kommunikation zu den Texten aufnehmen.

Ein wundervolles Buch!

Petra Ganglbauer, gangway, Februar 2011

 

Zum Ausklang dieses empfehlenswerten Lyrikbändchens heißt es: staendig fallen die moose / felder wie gaerten / wie licht / sich der abstand erweist / wie beschreibbar / wie voruebergehend / bewahrt“. Dass dieses letzte Gedicht als einziges im gesamten Buch ohne Punkt endet, mag ein Druckfehler sein oder ein sanfter Hinweis darauf, dass die Beobachtung an dieser Stelle keinesfalls endet; sie wird von den Lesern übernommen, deren Wahrnehmung hinsichtlich städtischer Attribute nun sensibilisiert ist.

Klaus Ebner, Literarisches Österreich, 01/2011

 

Informationen zur Autorin:

Waltraud Seidlhofer

 

 

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