Gregor M. Lepka
AN DER ZEIT VORBEI

Lyrik 
Herbst 2011 
124 Seiten / 118x183 
ISBN 978-3-9502828-7-0
Preis: EUR 18,70
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AN DER ZEIT VORBEI / Gregor M. Lepka

Lepka jagt in seinen Gedichten nicht einem wie immer gearteten Sinn hinterher, er ist nicht Herold eines bestimmten literarischen oder philosophischen Programms, seine lyrische Praxis folgt keinen Gesetzen außer denen seiner Wahrnehmung, seines Denkens und seiner Assoziationen. Andeutung ist ihm alles, und anstatt breit auszumalen, gibt er Erinnerungs- und Gegenwartsskizzen, zieht keine Linien und Schleifen, sondern kommt schon nach wenigen Worten zum Punkt, hinter dem nichts mehr ist als das Schweigen.

Manche seiner Gedichte ergeben ein in sich geschlossenes Bild, die meisten von ihnen vermitteln lediglich eine bestimmte Farbe, eine Nuance, eine Schattierung, den Schatten oder die Spur einer Geschichte. Sie sind unverdünnbare Sprachkonzentrate, in hohem Maße offen und hermetisch abgeriegelt und bisweilen auch auf krasse Weise pointiert.

Christian Teissl

 

Textprobe:

Der alte Mann

 

An der Peripherie

der Großstadt

sitzt der alte Mann

auf der Bank

und schweigt sich zu Tode.

 

Rezensionen:

Im Idealfall gräbt sich der Titel eines Gedichtbandes beim Vorübergehen so in das Gedächtnis des Lesers, dass man einen Schritt zurückgeht, das Buch nimmt und es wissen will: Was hat es mit diesem Titel auf sich? (...)

„An der Zeit vorbei“ löst im Leser ein lohnendes Stehenbleiben aus, es macht Sinn, noch einmal anzuhalten und vielleicht zurückzugehen bis an jenen Punkt, von dem aus man an der Zeit vorbei gerast ist.

Helmuth Schönauer, Universitäts- und Landesbibliothek Innsbruck, 17. Jänner 2012

 

Gregor M. Lepka zählt zu den wichtigsten Vertretern der heimischen Lyrik und ist nun mit einer neuen, umfangreichen Sammlung seines dichterischen Schaffens an die Öffentlichkeit getreten. Die vom Welser Mitter Verlag besorgte gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag ist ebenso gefällig wie handlich und eignet sich daher bestens als Vademekum für unruhige Zeitgenossen, als stets griffbereiter Reisebegleiter und Weggefährte in der Tiefe der Rocktasche.
An der Zeit vorbei
gliedert sich in drei Kapitel, die Gedichte von 2009/10 sowie Hommagen und Repliken auf Gedanken des israelischen Aphoristikers und Poeten Elazar Benyoëtz versammeln. Ein fein gesponnenes Nachwort von Christian Teissl rundet das Bändchen ab und erweist sich seinerseits als kollegiale Reverenz, die manchen Hinweis für jene Leser birgt, die nach Sinn oder gar Verbindlichkeit heischen.
Lepkas Lyrik atmet diese Sehnsucht nach Klarheit, vielleicht auch festem metaphysischem Boden, denn immer wieder taucht der „Nebel“ als poetisches Bild auf, verstummt das Gespräch, bannt Dunkel die forschenden Gefühle. „Abseits der gangbaren Wege/liegt wo ein Nest“, heißt es daher getreu dieser Poetik, die nie mit bedeutungsschwangerer Verskunst liebäugelt und sparsam Wort an Wort knüpft.
Auch sieht der Dichter weitgehend von seiner Person ab, nimmt zwar Krankheit und die Erfahrung des Alterns zur Kenntnis, lässt es aber bei diskreten Seitenblicken bewenden. Lepka braucht weder sich noch seine Sujets auszuschlachten, weil er um die Grenzen des Sagbaren weiß, ohne jedoch daran zu verzweifeln. Selbst wenn „ein Griff ins Leere alles ist“, gilt es, das beharrliche Werk der Dichtung im Angesicht der Vergänglichkeit fortzuführen. So ist es, so soll es sein, und bisweilen taucht aus einer melancholischen Stimmung ein tiefes Einverständnis mit der conditio humana auf, das sich wohltuend über die Textoberfläche ausbreitet.(...)

Walter Wagner, Buchmagazin Literaturhaus Wien, 20. November 2011

www.literaturhaus.at

 

Informationen zum Autor:

Gregor M. Lepka

 

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