Petra Ganglbauer
PERMAFROST

Prosa 
Herbst 2011 
140 Seiten / 118x183 
ISBN 978-3-9502828-8-7
Preis: EUR 19,80
Nicht mehr lieferbar
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PERMAFROST / Petra Ganglbauer

Permafrost ist der Versuch, das globale Dräuen, jene durch nichts einzuschätzende Qualität, die das Leben auf dem Planeten Erde spezifiziert, zu literarisieren. Der Prosaband setzt sich mit potenziellen Bedrohungen, der Unvorhersehbarkeit von Ereignissen, dem menschlichen Kontrollzwang, Ängsten und Selbstüberschätzung, aber auch dem Hang zu Endzeitprophezeiungen auseinander. Ausgelotet werden Empfindungsräume, die sich unter der hauchdünnen Zivilisationsschicht befinden. Behandelt der erste Teil des Buches eine gewissermaßen apokalyptische Schau auf die Wirklichkeit, so setzt sich im zweiten Teil des Buchs eine im Alltag rückgebundene Schönheit durch. Wie stets in der Arbeit der Autorin, werden unterschiedliche sprachliche Qualitäten und Stimmführungen angewandt.

 

- Ausgezeichnet mit der Buchprämie 2011 des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur


Textprobe:

Druckwellen aus Schmerz und Gewalt schieben den letzten Vorhang beiseite: Die Luft wird auseinander getrieben wie nichts, wie Feder, wie Fliegengewicht.

Die Katastrophen sind Simulationen, scharrende Studien für den Ernstfall. Noch sitzen wir hinter der Wirklichkeit. Unsere Augen berühren die Bildschirme, den Geschichtenerzählerteppich. Unser Netz aus Sagen! Die Sprache trifft keine Schuld. Später wird alles durch Gesten ersetzt. Wie schrecklich, wie leeres Blatt. Wer hätte uns gewarnt?

 

Rezensionen:

In diesem Buch geht es um alles, nämlich um die Erde und ihre Zerstörung durch den Menschen – wie er sie zu seiner Flipperkugel macht, zur Murmel in seinen seltsamen Machtspielen, wie er sie wegkickt wie einen Fußball und damit sich und allem Leben den Boden unter den Füßen wegzieht. Und nein, es ist keine Apokalypse, keine Vision von einem finalen Showdown irgendwann am St. Nimmerleinstag, es ist die Realität, die in „Permafrost" eindringlich, schonungslos und bilderreich vor Augen geführt wird.(...)

Mit „Permafrost" präsentiert sich Petra Ganglbauer einmal mehr als Meisterin der Sprachverdichtung und spannungsreichen Bildsetzung sowie der daraus resultierenden sprachreflexiven Gesellschaftskritik. Ein Buch, dessen enorme Sprachdichte Zeile für Zeile immer wieder Neues entdecken lässt, nicht zuletzt das „Menschlein" in einem selbst.

Günter Vallaster, Buchmagazin Literaturhaus Wien, 14. Dezember 2011

 

Es ist das Staunen des Kindes UND des Erwachsenen, was einnehmend wirkt; jedenfalls hat es mich als Leser gebannt. Gibt es einen schöneren Satz als den? "Aber der Wald, und wenn er nur aus Bäumen besteht, ist die große Höhe der Seele." (S. 83). Perzeption und Apperzeption schaffen den Raum für die Seele, die Betrachterin der Welt stellt eine dialogische Beziehung her; nicht nur sie betrachtet die Welt, sie lässt sich von den Dingen betrachten und ansprechen. Manchmal wird die Natur anthropomorph gedeutet, man kann es als Erwachsenenspiel auffassen, oder als Teil einer heilsamen Regression. Das Hässliche, Abstoßende, Angst Machende, Bedrohliche, Unauflösliche hat hier keinen Platz; trotzdem sind die einzelnen Absätze keine Idyllen. Die Erzählerin ist als Person im Zentrum, ohne andere irgendwie zu verdrängen oder sich wichtig zu machen. (...) Während im 1. Teil des Buches der Sprachverlust die Katastrophe anzeigt: "Die Sprache entgleitet, alles was ist, ist unverständlich."- "Alles weg und verloren. Die Sätze, Gesichter der Sprache.", ist im 2. Teil der Sprachverlust anderer Art: "Ich weiß nichts mehr zu benennen, weil alles ist wie es ist. / Mit den gelöschten Namen schwindet jegliches Vergessen. / Ist alles Existenz." Die Rede ist von einem erfüllten Schweigen. "Permafrost" ist also kein Bericht von Anfang und Ende, sondern umgekehrt, vom antizipierten Ende und einem immer möglichen Neubeginn.

Gerwalt Brandl, gangway, 6. Dezember 2011

www.gangway.net/reviews/index.html

 

Wie in einer komplex gearbeiteten Tapisserie verknüpft die Autorin mehrere Erzählstränge zu einem sprachlich und emotional verdichteten Gewirk. Dieses unterteilt sie in eine Vorderansicht und eine Rückansicht, wie die beiden Seiten einer Medaille, wobei sie mit der Kehrseite beginnt. (...) Was wie das Ende eines Science-Fiction-Films klingt, ist erst der Anfang. Wie um uns die Zugreise durch ihr Buch zu verkürzen, offenbart uns Ganglbauer, wie es zu diesem Endszenario kommen konnte, indem sie die Zutaten des Weltuntergangs wie in einer Do-it-yourself-Anleitung anführt. Auf das Minimum reduzierte Schreckszenarien wie Flutwellen, Dürre, Ground Zero, Pandemien wechseln mit Messlatten, an Hand derer sie eine Relation zum Akt der Verwüstung herstellt. Dazwischen flicht Ganglbauer immer wieder das „Menschlein“ und den Zug ein, mit dem wir entkommen, atemlos, sprachlos.

Karoline M. Ruhdorfer, fixpoetry.com, November 2011

www.fixpoetry.com/feuilleton/rezensionen/1332.html

 

Informationen zur Autorin:

Petra Ganglbauer

 

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